10 Jahre "BOULE ab 60"

noch immer ein reines Vergnügen !

 
 

Es ist ein eher ungewöhnliches Schauspiel, das sich an manchen Tagen den Passanten und Müßiggängern durch die kleine Grünanlage an der Stadtbücherei bietet. Da stehen erwachsene Menschen beiderlei Geschlechts und fortgeschrittenen Alters an einem mit groben Splitt ausgelegten, etwa 15 x 5 m großen Rechteck und werfen Metallkugeln von sich - abwechselnd in die eine und in die andere Richtung. Es wird dabei heftig gestikuliert, geklatscht vor Begeisterung oder gestöhnt vor Enttäuschung. Beim Nähertreten an die Gruppe kann man dann unschwer die Ursache dieses sonderbaren Verhaltens erkennen: die Damen und Herren spielen  Boule ! Sie gehören der kleinen, aber feinen Boulegruppe der Akademie für Ältere (AfÄ) an.

 

Sinn und Ziel ihres sportlichen - oder zumindest sport-ähnlichen - Tätigwerdens ist es, mit einer ihrer zwei oder drei Metallkugeln möglichst nahe an das von einer oder einem Mitspieler/in vorher ins Feld beförderte Kügelchen aus Holz, Kunststoff oder Metall heranzukommen - entweder durch gefühlvolles Anlegen der eigenen Kugel oder kräftiges Wegschießen einer gegnerischen. Das Objekt dieser ballis-

 

tischen Begierde ist also die kleine Kugel, von den feinsinnigen Franzosen "cochonnet" genannt, von den Deutschen wörtlich übersetzt "Schweinchen", von den groberen unter uns auch schon mal "Sau".
Das Spiel stammt in seiner heutigen Darbietung wohl aus Frankreich, genauer aus der Provence, und hat sich schnell weltweit verbreitet. Doch die höchste Weihe, eine Anerkennung als olympische Sportart, versagt ihm bisher das "Internationale Olympische Kommitée".
Die AfÄ-Boulegruppe stört das aber keineswegs, auch wenn einiger sportlicher Ehrgeiz bis zum Sieg, d.h. dem Erreichen von 13 Gewinnpunkten pro Spiel, gefordert ist.

      

Es gibt verschiedene Boule-Spielarten; in Deutschland wird vorwiegend "Pétanque" praktiziert. Bei dieser Variante wird auf dem Boden ein enger Kreis gezogen, aus dem zunächst das "cochonnet" in einer Distanz zwischen 6 und 10 m ins Feld befördert wird, anschließend folgen die Kugeln der einzelnen Beteiligten. Es muss mit geschlossenen Füßen geworfen werden, auf französisch "pieds tanques", auf provencalisch "ped tanco", daraus abgeleitet "pétanque". Die Metallkugeln wiegen zwischen 650 und 800 g und haben einen Durchmesser von 70,5 und 80 mm, das Schweinchen von 25 und 35 mm.

Haben alle Spielerinnen und Spieler nacheinander ihre erste Kugel geworfen, muss die- oder derjenige als erste/r weitermachen, die oder der das "cochonnet" am weitesten verfehlt hat. Dann

 

folgen die anderen, bis sämtliche Kugeln verschossen sind - und dann folgt die "Abrechnung"! Für die muss in Streitfällen schon mal das Maßband bemüht werden.
Es ist ein lustiges Grüppchen, das sich da vor Jahren in der AfÄ-Boulegruppe zusammen-gefunden hat. Es geht meist laut und wortreich zu, an mehr oder weniger geistreichen und passenden Kommentaren zu den Leistungen der eigenen oder gegnerischen Spieler mangelt es nicht. Wer einen total missratenen Wurf hingelegt hat, darf sich des Spott oder auch Mitleids der anderen gewiss sein. Wem dagegen ein großer Wurf gelungen ist, darf

  
 

sich an ehrfurchtsvoller und verdienter Bewunderung der gesamten Gruppe erfreuen. Es wird gelästert und gelobt, geächzt und gestöhnt - vor allem aber viel gelacht. Und das ist für alle Beteiligten das Wichtigste. Nach zwei Stunden Zielen, Werfen, Bücken und Messen sind alle ziemlich geschafft, das Alter fordert sein Recht ein. Dann sorgen oft Prosecco, Crémant, auch mal was Rotes, Säfte, Salziges und Süßes für körperliche Erholung und Stärkung. Zum allgemeinen Spaß kommt dann noch die Geselligkeit dazu - und das ist gut so.

 
 
 



Text:    Gerhard Heidelberg
Fotos:   Jutta Knauft
 
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